Sterbezettel Brigitte Irrgang
Loitz, 2. Oktober 1954

Georg Kardinal Sterzinsky, Alt-Erzbischof von Berlin

„Der verstorbenen Schülerin Brigitte Irrgang zu gedenken, bedeutet, an sie und die Umstände ihres Todes zu erinnern. Es bedeutet auch, sich vor Augen zu führen, dass kein Menschenleben – und sei es noch so kurz – sinnlos ist. Es ist von Gott geschenkt und wird von Gott zurückgenommen. Brigitte Irr­gangs Leben und Tod haben das Leben ihrer Angehörigen und zahlreicher anderer Menschen verändert. Es wäre schön, wenn die Lektüre dieses Buches nicht nur die Erinnerung wach halten, sondern bisweilen auch Trost spenden und Hoffnung wecken könnte."

Clemens Pullwitt, Pfarrer von Falkensee, ehem. Pfarrer von Demmin

„Ihr gewaltsamer Tod kann nach nunmehr fast fünfzig Jahren als Begegnung eines noch sehr jungen, aber wohl doch  schon tief gereiften Mäd­chens mit dem Kreuz Christi gedeutet werden, dessen Frucht die Teilhabe an seiner erlösenden Gnadenfülle ist.“

Zeugnisse der Klassenleiterin Charlotte Gaede

  • Als Schülerin nahm sie lebhaft am Unterricht teil.

„Mancher Gedanke, den du aussprachst, ließ mich erstaunen. Erkannte ich doch daran die starke, mitschwingende Erlebnisfähigkeit deines Wesens.“

  • Sie verbrachte viel Zeit damit, ihren Mitschülern zu helfen.

„Wie viel Opfer an Zeit brachtest du, um deinen Kameraden zu helfen. Da kam der kleine Prewitz neu in die Klasse und hatte Vieles, Vieles versäumt. Schon hattest du ihn in deine Bank geholt und sagtest: „Ich kenne ihn. Ich will ihm helfen und alles mit ihm nachholen.“ Und du umgabst ihn mit deiner Fürsorge. Wie oft konnte ich dir schwache Schüler für eine Übungs­stunde anvertrauen. Ich wusste aus Erfahrung, deine Arbeit würde erfolgreich sein.“

  • Bei aller Ernsthaftigkeit war sie ein lebensfrohes, übermütiges Kind.

„Bei aller Ernsthaftigkeit warst du doch ein lebensfrohes, übermütiges Kind, besonders, wenn es galt, kleine Theaterstücke einzuüben. Da wurde gesungen, getanzt und gespielt mit Kostümen, Kulissen und Schminke und allem, was dazu gehört. Du dirigiertest alles, es war ein prachtvoller Schwung darin und echte, herzerfrischende Natürlichkeit.“

  • In der Klassengemeinschaft fiel ihr ganz von selbst die Führung zu.

„Es war deine warmher­zige, hilfsbereite Art, die jeden Konkurrenzkampf von vornherein ausschloss. Auch den „Rüpeln“ kamst du so herzlich entgegen, dass sie sich dir gar nicht entziehen konnten. So gewannst du sie für die Klassengemeinschaft.“

  • Sie lebte die Reinheit mit aller Natürlichkeit.

„Wie sauber und zuchtvoll war deine Haltung im Umgang mit den Jungen! Nicht alle Mädchen waren so, zweideutige Zettel machten die Runde. Deine Keuschheit wehrte alles ab und verdrängte das Un­lautere.“

  • Sie liebte alle Hilfsbedürftigen.

„So wie die Tiere liebtest du alles Hilfsbedürftige, Schwache, Junge und pflegtest es mit viel Liebe und Bereitschaft. Dann strahltest du nur Zärtlichkeit, Wärme und Helfen-wollen aus, ganz gleich, ob es Menschen, Tiere oder Pflanzen waren, die deiner bedurften.“

  • Sie wollte Ärztin werden.

„Längst wusstet deine Freundin und du, dass ihr euch dem Arztberuf widmen wolltet. Lehrbücher der Krankenpflege wurden studiert, und manches Wissen daraus hattet ihr euch schon angeeignet. Gisela wollte Kinderärztin werden, aber das genügte deinem Tatendrang nicht. „Ich möchte allen kranken Menschen helfen, auch den alten. Arzt sein, das ist der schönste Beruf“, erklärtest du ernst und überzeugt. „Darum will ich auch „Junger Sanitäter“ werden, dann kann ich jetzt schon helfen.“ 

„Ich hatte sie sehr lieb in ihrer Klarheit,

Schlichtheit, Innigkeit. Sie ist vielen Menschen

unvergesslich in ihrer strahlenden Reinheit.“

Dr. Johannes Winter, Bürgermeister von Loitz i.R.

„Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Tief beein­druckt war ich von dem Glaubenszeugnis dieses Mädchens, welches in seiner unbeschwerten charakterlichen Reinheit vielen Menschen Freude schenkte.“

Gertrud Lübbert +, Ehrenbürgerin von Loitz

„Als Brigittes Klasse zu mir in den Unterricht der Christenlehre kam und auch Brigitte selbst als Zuhörerin teilnahm, freute ich mich. Sie fiel mir auf in ihrer stillen, lieben und aufmerksamen Art, auch wie sie den biblischen Geschichten lauschte, mitbetete und mitsang.“